Auf der Suche nach Internet

Wieder bekommen wir Besuch. Zum dritten Mal seit dem Aufstehen! Diesmal bringt der Umweltbeauftragte der Region einen Freund mit, Batlut. Er spricht russisch. Schon drei mal hatte uns der ältere, stilvolle Mann aufgesucht, um mehr über unser Projekt zu erfahren. Wir hatten ihn nach Internet im Dorf gefragt. Uns bei der Suche zu helfen wurde für den Umweltschützer zur Mission.

Zu dritt machten es sich die Männer mit einer Flasche Wodka, einer 1,5 Liter Plastikflasche Bier und einer Cassis-Fanta vor dem Zelt bequem. Wir kochen Tee. Die Drei bevorzugen aber den Wodka.

Batlut stammt aus der Gegend, hat aber lange in Russland gearbeitet. Und lange kein Russisch gesprochen, meint der hilfsbereite Vater von 4 Kindern. Als die Wodkaflasche halb leer ist, nimmt er mich mit ins Dorf, während Ondra die Stellung am Camp hält.

Erste Mission: Einkaufen

Ein kleiner Einkaufsladen. Hier lade ich Telefonguthaben auf, kaufe Wasser und Kekse.
Man stelle sich einen Raum in einer Baracke vor, Regale an den Wänden und Tresen davor. Die Tresen haben Glassoberflächen so dass man sieht was darunter „ausgestellt“ ist. Der Verkäuferin hinter dem Tresen muss man also genau sagen was man will oder darauf zeigen, bis sie dem Zeigefinger folgend das Richtige herausnimmt. Die Kekse der Wahl zu bekommen ist eine Prozedur für sich! 

 

Zweite Mission: Internet

Ich: „internet cafe est’?“ Batlut: „Da, konezno“ (ja, natürlich auf russisch). Er führt mich zu Freunden ins Wohnzimmer. Dort steht ein PC an dem der Sohn gerade zockt. Die Mutter weist ihn an aufzuhören, damit ich meine Mails abrufen kann. Auf dem Sofa gegenüber sitzen Batlut, die Mutter und ich schätze die Oma und schauen mir zu wie ich versuche eine Netzverbindung herzustellen. Vergeblich. Batlut telefoniert. Wir fahren weiter. Diesmal gleicht das Internet Café schon eher einem solchen. In dem Raum stehen drei Computer, ein Junge spielt Videospiele. Hier funktioniert die Verbindung. Irgendwie scheinen mich alle zu beobachten und auf irgendetwas zu warten. Ich beschränke mich darauf, Emails abzurufen und verschiebe die Arbeit am Blog.

Als ich fertig bin schließt der Besitzer hinter uns die Türe wieder ab. Es ist Sonntag und das Internet Café hat eigentlich geschlossen. Da hier jeder jeden kennt, war es aber kein Problem für 1000 Tögrög (ca. 60 Cent) auch am Sonntag kurz zu öffnen. Mission erfüllt, wir können zum Zelt zurückfahren.

Unterwegs steigt der Naturfreund wieder dazu. Wieder sitzen alle bei uns vor dem Zelt und trinken Wodka. Wir servieren mongolische Schokoladen-Kokoskekse und Studentenfutter.

Dritte Mission: Wasser und Benzin

Auch dabei ist Batlut zur Stelle und hilft gerne und unaufdringlich. Diesmal hüte ich das Camp von der solaren Workingstation aus und Ondra geht auf Mission.

Am Abend zieht – wie gewohnt – ein Gewitter auf. Es stürmt. Besuch. Es ist Batlut mit Kind und Kegel. Sie wollen dass wir schnell unser Camp zusammenpacken, bei ihm ins Auto laden und bei ihnen zu Hause übernachten. Wir entscheiden uns fürs Zelt. Gut so, denn innerhalb der nächsten 5 Minuten wären wir schon klatschnass gewesen. Als das Gewitter vorüber ist fährt wieder ein Auto vor. Wieder ist es Batlut mit Familie. Sie wollten schauen ob alles in Ordnung ist und bringen uns das Wasser das wir vor lauter Unwetter bei ihnen im Auto vergessen haben.

Auch an diesem Abend reißt der Besucherstrom nicht ab. Nicht nur Mongolen suchen uns auf sondern auch Pferde, Kühe und komisch mutierte Mücken deren Sticke scheußlicher sind als alle die wir bisher kannten.